+49 160 4590 571 fugl@sprechvogel.de
Gen­der­ge­rechte Sprache

Über 150 Teil­neh­mende am 03.12.19 „Gen­dern ja — aber wie?“ mit Prof. Dr. Luise F. Pusch

Mit viel Witz und Humor re­fe­rierte Luise F. Pusch im Wis­sen­schafts­zen­trum Kiel vor 150 Zuhörer*innen aus lin­gu­is­ti­scher Sicht über die Prä­mis­sen einer Gleich­heit ge­währ­leis­ten­den und Viel­falt aus­rü­cken­den Sprech- und Sprach­ge­brauchs. Sie plä­dierte für eine ge­rechte und vor allem auch be­queme Spra­che. Im An­schluss dis­ku­tierte sie mit dem Pu­bli­kum an­ge­regt über ihre dar­ge­stell­ten Vor­schläge. 

In der Sprach­wis­sen­schaft kon­kur­rie­ren un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen, die nicht ver­ein­bar sind und von un­ter­schied­li­chen Se­man­tik­theo­rien aus­ge­hen. Luise F. Pusch ar­bei­tet mit der ko­gni­ti­ven Se­man­tik, die spe­zi­ell die Be­zie­hung. zwi­schen den sprach­li­chen Zei­chen und dem, was die Men­schen sich dar­un­ter vor­stel­len, un­ter­sucht. Sie ver­steht die fe­mi­nis­ti­sche und queere Sprach­kri­ti­ken als Ba­sis­be­we­gun­gen, die die Sprach­ge­mein­schaft über sprach­li­che Ge­rech­tig­keit auf­klä­ren, um den be­stehen­den Sprach­ge­brauch zu ändern. 

Ent­stan­den ist die fe­mi­nis­ti­sche Sprach­kri­tik in An­leh­nung an die Sprach­kri­tik der People of Colour wäh­rend der US-ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­rechts­be­we­gung. Ein Ziel ist die Ab­schaf­fung der männ­li­chen Do­mi­nanz in der Spra­che. Die queere Sprach­kri­tik be­män­gelt die binäre Ge­schlech­ter­ord­nung und die He­te­ro­nor­ma­ti­vi­tät der Spra­che. 

Die Ziele und Vor­aus­set­zun­gen beider sprach­kri­ti­schen Re­form­be­we­gun­gen sind nicht un­be­dingt iden­tisch. Die Kon­se­quen­zen in der sprach­po­li­ti­schen Um­set­zung sind bisher kaum be­dacht worden.
Im Fol­gen­den stellte Luise F. Pusch die his­to­ri­sche Ent­wick­lung der un­ter­schied­li­chen Schreib­wei­sen vor: Von der Schreib­weise mit dem Un­ter­stich, dem Binnen I bis zum Gen­der­stern­chen und er­läu­terte die lin­gu­is­ti­schen Pro­bleme bei der An­wen­dung. 

Die fol­gende Dis­kus­sion mit dem Pu­bli­kum war sehr en­ga­giert. Deut­lich wurde, dass die Praxis der Sprach­ge­mein­schaft eine wich­tige Größe in der Ver­än­de­rung von Spra­che ist. Es gibt nicht „die“ Lösung für eine dis­kri­mi­nie­rungs­freie Spra­che als Dar­stel­lungs­mit­tel aller so­zia­len Ge­schlech­ter- und Ge­schlechts­iden­ti­tä­ten. Auch nach dem of­fi­zi­el­len Ende der Ver­an­stal­tung dis­ku­tier­ten die Gäste leb­haft in klei­nen Grup­pen über die Mög­lich­kei­ten und Schwie­rig­kei­ten einer gen­der­ge­rech­ten Sprach­pra­xis. Die At­mo­sphäre wäh­rend der Ver­an­stal­tung war dicht und sehr kon­zen­triert. 

Ge­tra­gen wurde die Ver­an­stal­tung von fol­gen­den Ko­ope­ra­ti­ons­part­ne­rin­nen*: An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stelle Schles­wig-Hol­stein, Ak­ti­ons­plan Echte Viel­falt- Ak­ti­ons­plan für Ak­zep­tanz viel­fäl­ti­ger se­xu­el­ler Iden­ti­tä­ten Schles­wig-Hol­stein, Ge­schäfts­stelle Echte Viel­falt, HAKI e.V., Lesben Ahoi, Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaft der haupt­amt­li­chen kom­mu­na­len Gleich­stel­lungs- und Frau­en­be­auf­trag­ten in Schles­wig-Hol­stein, Gleich­stel­lungs­be­auf­trage der Fach­hoch­schule für Ver­wal­tung und Dienst­leis­tung, sprech­vo­gel: Seminare.Workshops.Coaching und Zapata Buch­la­den 

Die Ver­an­stal­tung wurde vom Mi­nis­te­rium für So­zia­les, Ge­sund­heit, Jugend und Se­nio­ren des Landes Schles­wig- Hol­stein ge­för­dert.