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Diver­sity

Defi­ni­tions belong to the defi­ners, not the defined.

- Toni Morrison

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Wie können wir, die Koexis­tenz mit dem anderen erlernen, uns »einer Welt öffnen, die sich von unserer unter­scheidet« wie wir also Welt teilen, ohne die Anders­heit der Anderen auszu­lö­schen.“ Lucy Irigary

Viel­falt will viel­fältig betrachtet werden.

- Hilarian G. Petzold

Diver­sity

Die Begriffe Diver­sity oder Diver­sität bedeuten Viel­falt und umfassen die indi­vi­du­ellen, sozialen und struk­tu­rellen Unter­schiede und Gemein­sam­keiten von Menschen und Gruppen. Diver­sity selbst ist ein viel­fäl­tiger Begriff mit unter­schied­li­chen Zugängen und Sicht­weisen auf ein komplexes Thema.

Der Diver­sity-Ansatz unter­stützt eine diffe­ren­zierte Wahr­neh­mung der Viel­falt und Verschie­den­heit von Menschen und ihre Verbin­dung mit den komplexen Reali­täten der Gesell­schaft und den darin bestehenden Macht­ver­hält­nissen. Er sensi­bi­li­siert für eine Infra­ge­stel­lung der gesell­schaft­li­chen Norm­set­zungen und den daraus resul­tie­renden Diskri­mi­nie­rungen. Gesell­schaft­liche und indi­vi­du­elle Viel­falt wird als Poten­tial erkannt und aufgewertet.

Diver­sity is not about them, it’s about you!

Die Four Layers of Diver­sity, ein Modell entwi­ckelt von Lee Gardens­wartz und Anita Rowe, bietet die Möglich­keit, die unter­schied­li­chen Aspekte von Viel­falt und gesell­schaft­li­chen Veror­tungen zu benennen, sichtbar und fassbar zu machen. Im Zentrum des Modells findet sich die bei jedem Menschen einzig­ar­tige Persön­lich­keit. Vom Zentrum ausge­hend beschreibt die zweite, die Kern- oder innere Dimen­sion, iden­ti­täts­stif­tende Merk­male wie Alter, Geschlecht, Haut­farbe oder sexu­elle Orien­tie­rung. Manche von diesen sind ange­boren, andere wiederum werden durch sozio-ökono­mi­sche und gesell­schaft­liche Umstände bedingt und können sich im Laufe des Lebens ändern.

Jeder Mensch ist eine einzig­ar­tige Kombi­na­tion dieser Merk­male und kann sich aufgrund einiger Merk­male bestimmten Gruppen zuge­hörig fühlen (Selbst­wahr­neh­mung). Andere Merk­male oder Zuge­hö­rig­keiten werden von außen wahr­ge­nommen und zuge­schrieben — oft ohne zu wissen, ob sie stimmen (Fremd­wahr­neh­mung). Je nach Situa­tion, gesell­schaft­li­cher Normie­rung oder jewei­ligen Macht­ver­hält­nissen erfahren Menschen Aner­ken­nung oder Ableh­nung aufgrund eines oder mehrer dieser Merk­male. Manche Merk­male öffnen Türen, andere bewirken Ausgren­zung und Diskriminierung.

Der Diver­sity-Ansatz sensi­bi­li­siert für einen aktiven und wert­schät­zenden Umgang mit Diffe­renz. Selbst­re­fle­xion, kriti­sches Hinter­fragen einge­übter Erwar­tungs­hal­tungen und Norma­li­täts­vor­stel­lungen gehören dazu: „Bei Diver­sity geht es nicht um die Anderen — es geht um Dich!“

Diver­sity — das Konzept

Die histo­ri­schen Wurzeln des Diver­sity-Konzeptes liegen in der US-Ameri­ka­ni­schen Bürger*innenbewegung und Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­be­we­gung. Seit dem Ende der 1990er Jahre wird das Konzept auch in der Euro­päi­schen Union als Leit­bild verwendet. Seit 2006 sind in der deut­schen Gesetz­ge­bung die Aspekte der Viel­falt im Allge­meinen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz berück­sich­tigt und sollen Personen aus diesen Kate­go­rien vor Diskri­mi­nie­rung schützen.

Diver­sity-Dilemma

Die Beschrei­bung von Viel­falt und Unter­schied­lich­keit mit konkreten Aspekten birgt die Gefahr einer Komple­xi­täts­re­duk­tion und einer Fokus­sie­rung auf die Unter­schiede. In diesem Fall steht die Kate­go­rien- bzw. Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit im Vorder­grund. Bilder von verall­ge­mei­nernden Iden­ti­täten, wie z.B. die „Alten“, können entstehen. Stereo­typen und Vorur­teile werden (re-)produziert und verfes­tigt. Daher bedarf es einer bestän­digen Refle­xion und ein Verständnis von Viel­falt UND Gemeinsamkeit.

Wert­schät­zung

Diver­sity-Kompe­tenz ist eine allge­meine soziale Kompe­tenz, Menschen unge­achtet ihres Geschlechts, ihres Alters, einer Behin­de­rung, ihrer Haut­farbe etc. mit einer offenen und wert­schät­zenden Haltung zu begegnen. Dieses setzt die Ausein­an­der­set­zung mit der eigenen Perspek­tive und den eigenen Voran­nahmen und Vorur­teilen voraus.

Darüber hinaus beinhaltet Diver­sity-Kompe­tenz die grund­sätz­liche Bereit­schaft und Fähig­keit, sich in die Perspek­tiven und Lebens­lagen anderer hinein­ver­setzen zu können, auch wenn sich diese stark von der eigenen unter­scheiden (Fähig­keit zum Perspek­ti­ven­wechsel). Ein zentraler Aspekt ist die Empathie.

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Anti­dis­kri­mi­nie­rung

Diver­sity als Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stra­tegie setzt eine diffe­ren­zierte Ausein­an­der­set­zung mit sozi­al­struk­tu­rellen Bedin­gungen von Ungleich­ver­hält­nissen voraus. Jede Orga­ni­sa­ti­ons­form spie­gelt gesell­schaft­liche Macht­ver­hält­nisse und Ausschluss­me­cha­nismen wider. Die entste­henden Diskri­mi­nie­rungs­pro­zesse finden meist unbe­wusst statt. Sie wirken auf indi­vi­du­eller Ebene wie auch auf orga­ni­sa­tio­naler Ebene. Sie stehen einem fairen Umgang mit Bewerber*innen oder Orga­ni­sa­ti­ons­mit­glie­dern entgegen. Eine Diver­sity-Stra­tegie hat Erfolg, wenn struk­tu­relle Diskri­mi­nie­rung nach­haltig abge­baut wird.

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Mana­ging Diversity

Diver­sity-Manage­ment ist eine Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lungs­stra­tegie. Kern des Mana­ging Diver­sity liegt darin, Viel­falt zu fördern und wert­zu­schätzen sowie den Austausch zu ermög­li­chen und zu orga­ni­sieren, um den größt­mög­li­chen Nutzen für Menschen und Unter­nehmen / Orga­ni­sa­tionen daraus zu schöpfen. 

Mana­ging Diver­sity setzt auf drei Ebenen an:

  • auf der indi­vi­du­ellen Ebene
  • auf der unter­per­so­nellen Ebene
  • auf der orga­ni­sa­tio­nalen Ebene

Hier ein schönes Disney-Video, das beschreibt, wofür Mana­ging Diver­sity gut sein kann:

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Infor­ma­tionen

Die Diver­sity Dimensionen

Die Grafik zeigt ein Diversity-Rad

Soziale Herkunft

Die soziale Herkunft bestimmt nach Pierre Bour­dieu in der Kind­heit die Verin­ner­li­chung der dem Milieu eigen­tüm­li­chen Möglich­keiten und Beschrän­kungen, Vorlieben und Abnei­gungen – er nennt diese Prägung den Habitus.

Der soziale und ökono­mi­sche Status, Bildungs­hin­ter­grund und die fami­liäre Klas­sen­her­kunft bestimmen die Ressourcen, die Kinder zur Verfü­gung haben. In Deutsch­land hat die soziale Herkunft einen wesent­li­chen Einfluss auf die Bildungschancen. 

Reli­gion und Weltanschauung

Neben der Zuge­hö­rig­keit zu den „großen“ fünf Welt­re­li­gionen, Buddhismus, Chris­tentum, Islam, Judentum und Hindu­ismus, ist die gelebte reli­giöse und welt­an­schau­liche Viel­falt von Menschen weitaus komplexer als die Unter­schei­dung der einzelnen Reli­gionen sichtbar macht. Die reli­giöse Iden­ti­täts­bil­dung ist heute durch einen hohen Grad an Indi­vi­dua­li­sie­rung geprägt. Ein zuneh­mender Anteil der Bevöl­ke­rung gehört zur Kate­gorie der Konfes­si­ons­losen, dazu zählen nicht nur Atheist*innen, sondern auch Menschen mit unter­schied­lichsten Weltanschauungen. 

Alter und Generation

Alter ist ein mehr­di­men­sio­nales Konzept. Es gibt ein biolo­gi­sches Alter, das sich auf die Lebens­jahre bezieht und ein psycho­lo­gi­sches Alter, das durch das eigene Erleben und Befinden bestimmt wird. Mit dem sozialen Alter sind kultu­relle Normen und Werte sowie alters­be­zo­gene Rollen­er­war­tungen verbunden.
Alter als Zustand wird unter­schied­lich bewertet und ist von gesell­schaft­li­chen Faktoren abhängig.
Alters­zu­schrei­bungen bzw. Alters­ste­reo­type sind gesell­schaft­lich konstru­iert. 
Eine Genera­tion lebt in einem histo­ri­schen Zeit­raum und zeichnet sich durch gemein­same Verar­bei­tungs- und Hand­lungs­an­for­de­rungen aus. (Höpf­linger 1999)

Hautton/Rassifizierung

Der Begriff „race“ kommt aus dem anglo­ame­ri­ka­ni­schen Raum und beschreibt gesell­schaft­liche Diffe­ren­zie­rungen aufgrund der zuge­schrie­benen “Haut­farbe”. Die gesell­schaft­liche Eintei­lung in Weiß und Schwarz entscheidet über den Zugang zu gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ressourcen und produ­ziert unter­schied­liche Erfah­rungs­welten. Rassismus ist für weiße Menschen oft unsichtbar. Für Menschen, die nicht in die Kate­gorie „Weiß“ fallen, ist der Rassismus allge­gen­wärtig.
Rassismus orien­tiert sich nicht allein an rassi­fi­zierten Merk­malen wie dem Hautton, sondern z.B. auch an Natio­na­lität, Herkunft, Sprache oder Religion.

Geschlecht und geschlecht­liche Identität

„Unter ‚geschlecht­li­cher Iden­tität‘ versteht man das tief empfun­dene innere und persön­liche Gefühl der Zuge­hö­rig­keit zu einem Geschlecht, das mit dem Geschlecht, das der betrof­fene Mensch bei seiner Geburt hatte, über­ein­stimmt oder nicht über­ein­stimmt; dies schließt die Wahr­neh­mung des eigenen Körpers (darunter auch die frei­wil­lige Verän­de­rung des äußeren körper­li­chen Erschei­nungs­bildes oder der Funk­tionen des Körpers durch medi­zi­ni­sche, chir­ur­gi­sche oder andere Eingriffe) sowie andere Ausdrucks­formen des Geschlechts, z.B. durch Klei­dung, Sprache und Verhal­tens­weisen, ein.“ 
– Hirsch­feld-Eddy-Stif­tung: Die Yogyakarta-Prinzipien

Nicht-binäre Geschlechts­iden­tität

„… Dieser Ausdruck wird … verwendet, um Personen zu beschreiben, deren soziales Geschlecht nicht ausschließ­lich männ­lich oder weib­lich ist, einschließ­lich derje­nigen, die sich als unge­schlecht­lich iden­ti­fi­zieren, oder als ein anderes Geschlecht als männ­lich oder weib­lich, oder als mehr­ge­schlecht­lich.“
National Center for Trans­gender Equa­lity (NCTE)

Gender / Geschlecht ist eine sozial konstru­ierte Kate­gorie und abhängig von den jewei­ligen gesell­schaft­li­chen Vorstel­lungen und Normen, die einem steten histo­ri­schen Wandel unterliegen. 

Sexu­elle Orien­tie­rung und Identität

„Der Begriff „sexu­elle Orien­tie­rung“ bezeichnet die Fähig­keit eines Menschen, sich emotional und sexuell intensiv zu Personen desselben oder eines anderen Geschlechts oder mehr als einen Geschlechts hinge­zogen zu fühlen und vertraute und sexu­elle Bezie­hungen mit ihnen zu führen.“
 Hirsch­feld-Eddy-Stif­tung: Die Yogyakarta-Prinzipien

Ethni­sche Zugehörigkeit

In den Sozi­al­wis­sen­schaften werden Ethnien als abgrenz­bare soziale Gruppen, die gemein­same kultu­relle Prak­tiken und Einstel­lungen teilen, die sie von anderen Gruppen unter­scheiden, bezeichnet. Ethni­sche Gruppen weisen sich durch ein intui­tives Selbst­ver­ständnis und Gemein­schafts­ge­fühl aus. Ethni­zität ist eine soziale Konstruk­tion. Grund­lagen einer ethni­schen Iden­tität können neben gemein­samen Eigen­be­zeich­nungen, Sprache, Reli­gion, Geschichte oder Verbin­dung zu einer bestimmten Region sein. Ethni­sche Zuge­hö­rig­keit ist nicht zu verwech­seln mit dem Begriff Natio­na­lität, der sich auf die recht­lich-natio­nale Zuge­hö­rig­keit im Sinne einer Staats­bür­ger­schaft bezieht. 

Physi­sche und psychi­sche Fähigkeiten

Die unter­schied­li­chen körper­li­chen und geis­tigen Fähig­keiten jedes Menschen und die Möglich­keiten unab­hängig von körper­li­chen und / oder geis­tigen Einschrän­kungen ein selbst­be­stimmtes Leben führen zu können.